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Ostseestürmer oder Warmduscher in der Adria

Eigentlich geht es ja traditionell im Herbst an die Ostsee. Dort wird dann ein mehr oder weniger schwimmfähiges Vehikel geliehen und durch die kalte Ostsee bei Tag und in der Nacht gequält. Die Ostseestürmer sind ja kein Verein für verweichlichte Klimaanlagensegler….halt, vielleicht doch.

Einer der Skipper äußerte schon früh im Jahr 2019, den Wunsch mal nicht jeden Tag frieren zu müssen und so kam der Gedanke auf, im Herbst in der warmen Adria zu schippern. Gesagt getan, schon kurz nach der Freischaltung der Buchung, war das erste Boot voll! Da ich Grundsätzlich ja nichts gegen Segeln in kurzer Hose habe, wurde noch ein zweites Boot hinzugefügt und zack, auch ausgebucht!

Und dann kam das Virus und machte dem Traum des kombinierten Bade-Segel-Urlaubs erstmal den gar aus. Nichts mit Segeln in warmen Gefilden. Notprogramm Ostsee, auch sehr schön!

Was Ostseestürmer aber auf jeden Fall sind: Beharrlich mit einer guten Portion Sturheit! Gesagt, getan, zweiter Anlauf im neuen Jahr. Alle schnell die Ärmel hoch gekrempelt, zweimal einen Piecks und schon können wir wieder reisen.

Die Ostseestürmer auf Flugreise

So ging es dann für 20 Ostseestürmerinnen am Samstag, 02.10.2021, um 7:00 Uhr in Stadtlohn, mit der „kleinen Möve“ in Richtung Amsterdam Flughafen. 20? Nein es waren ja nur 18 Leute da!

Vossi und Daniel opferten sich und fuhren nonstop (außer Nothalt bei McDonalds und an der Tanke) mit mega-viele Gepäck in einem Bulli nach Trogir. Hier nochmal ganz klar gesagt: Ihr seid Helden!

Außerdem konnten die Beiden schon mal intensiv nach örtlichen Alkoholika Ausschau halten und diese für uns vorab testen. So verliert der Ostseestürmer beim Einkauf vor Ort auch keine Zeit mit der Auswahl einer Biersorte….

Also frischen Mutes in die Möve, ab nach Holland! Im Bus nochmal schnell die vom Skipper Andre´ vorbereitete Formulare ausgefüllt und weiter gen Westen. Natürlich darf die vom „Team Kombüse“ vorbereitete Frühstückspause nicht fehlen.

Vom klassischen Ostseestürmer-Schnitzelbrötchen, bis hin zum vegetarischen Gemüsebuffet wurde aber alles aufgefahren. Schnell schallte das bekannte: „Ostseestürmer, Ostseestürmer Ahoi, Ahoi, Ahoi“ über den Parkplatz! Beste Laune und viel Vorfreude.

Auf dem Flughafen gab es keine besonderen Vorkommnisse! Alles bestens organisiert von Andre´! An dieser Stelle ein großes Lob und vielen Dank an Andre´ ohne Dich……

Gegen Mittag dann aufheulende Triebwerke, rasante Beschleunigung und ab in den Süden! Immer der Sonne entgegen! Zwei Stunden später dann, quietschende Bremsen und Sonne satt. Schon kurz nachdem die Türen des Flugzeuges geöffnet wurden war klar, alles richtig gemacht! 25°C, wolkenloser, blauer Himmel. Raus aus dem Transitbereich und da stehen schon die Abholtaxis mit einem Schild: „Andre´ Lipholz“ und einem Leuchtenden Handy mit Ostseestürmeremblem.

Vossi und Daniel haben, in langen Verhandlungen, einen günstigen Transfer zur Marina organisiert!

10 Minuten später kommen wir in der Marina Seget (Baotic) an. Erstes Fazit: Die Anreise nach Trogir dauert nicht länger als nach Warnemünde, in Trogir ist es dafür aber wesentlich wärmer!

Boote mit Überraschungen

Schnell die Boote übernommen, gecheckt, reklamiert, dokumentiert und alle Klamotten ins Boot geräumt. Bis auf ein paar wenige, ich nenne sie mal „Mola Probleme“ wie: Süßwasser in der Biege (natürlich wieder der Beuler), fehlende Kartensätze, usw. war alles recht ordentlich und in gutem Zustand.

Nur, ich suchte noch das Bugstrahlruder, wo hat sich das wohl versteckt? Da wird doch wohl eins sein bei 48 Fuß und römisch-katholischem Anlegen? Die Antwort könnt ihr Euch wohl denken: Nö, gibts nicht! Das versteht der Bootsübergeber auch nicht wirklich, der wusste garnicht, dass er solche Boote noch im Angebot hat, aber nee es gibt definitiv kein Bugstrahlruder!

Aber keine Panic, das geht auch ohne!

Der Rest des Abends ist Geschichte! Große, internationale Party auf dem Steg, Sonne, Meer, kurze Hose, Musik, Partylicht………und der Ruf: 8 Uhr, 9 Uhr, 10 Uhr…woraus dann ne leichte 10 Uhr, 11 Uhr, 12 Uhr wurde. Aber auch einer intensiven, ausführlichen Sicherheitsunterweisung der Crew! Da sind ja ne Menge Landeier bei, die müssen ja erstmal lernen wie eine Klampe belegt wird und so ein fender wirklich gut eingesetzt wird. Außerdem will niemand, dass die Finger zwischen Winsch und Schoot kommen! 

Ablegen – mit Boot und Seele

Ablegen in Trogir unter besten Bedingungen! Leider auch ohne Wind! Aber: Schon mal die Segel geheißt, Mannschaft quasi im trockenen durchmanövriert, trotzdem kein Wind! Also unter Motor raus aus dem riesigen Hafen, hin nach Luka Rogac´, einem kleinen malerischen Hafen 19 NM Süd-Östlich von Trogir.

Anlegen unter besten Bedingungen mit sofortigem Schwimmen gehen! inklusive Schnorcheln, Einhorn aufblasen, Dingi zu Wasser lassen und, und, und. So geht Urlaub. Schon hier die Feststellung: Das Wasser ist kristall-klar und wir können alle Fische und den Grund sehen! Was manchmal zu panikartigen „aus dem Wasser springen“ führt. Manche Fische sind nämlich soooo groß!

Der kleine Hafen bietet alles, was wir uns erträumt haben. Beide Crews verabreden sich zum Essen gehen, vor unglaublich malerischer Kulisse. Die Terrasse direkt am Meer, Hafenkino inklusive! Leckeres Bier und einheimische Speisen. Ein weiterer Abend zum träumen.

Natürlich versammelten wir uns anschließend noch zum gemütlichen zweiten oder dritten Bier, und wir merken schnell, dass in Süden alles auf dem Steg stattfindet, vor dem Boot. Irgendwann schlafen auch die härtesten Seebärinnen ein und tatsächlich klappt das 7 Uhr, 8 Uhr, 9 Uhr Manöver fast pünktlich.

Auf nach Komiza`, einem Hafen auf der Insel Fis. Bei ordentlichen Wind, schießen wir im Flottenverband unter Vollzeug über die Adria! Es entstehen wunderschöne, gegenseitige Fotos, die Sonne strahlt und der Wind ist wirklich gleichmäßig stark und toll. Auf der Logge steht oft die 9 vor dem Komma! Wir fliegen förmlich nach Komiza`. Weitere Feststellung, meine Mannschaft ist absolut seefest. Christiane hat zwar einen flauen Magen, aber alles bleibt drin!

Rückwärts, ohne Bugstrahlruder (wer braucht sowas schon) rumpeln wir uns an die Kai fest! Alles gut Muring sitzt, Schraube dreht noch und das Boot ist in einem Stück! Also Hafenbier. Auch der Rest der Flotte liegt am Kai! Deshalb stehen alle Zeichen auf einen super Abend! Unsere direkten Nachbarn aus Slovenien begrüßen uns mit: „Wir feiern gerne, wenn es zu laut wird, dann sagt Bescheid“ ; wir lächeln wissend milde und denken uns: Glück gehabt, die feiern auch gerne.

Ostseestürmer sind sturmerprobt

Ungemach droht nur vom Wetter: Böen bis in Bereiche, die nicht mehr auf der Beaufort-Skala abgebildet werden können sind angesagt und der Hafenmeister kassiert direkt für zwei Tage. Und was ist eine der wichtigsten Erkenntnisse eines Süßwasserskippers aus NRW im der großen weiten Welt? Na immer auf den Hafenmeister hören!

Also ist der nächste Tag ein Hafentag! Und die kommende Nacht kann zur Partynacht erklärt werden. Irgendwie verschwimmen dann die Erinnerungen….Hafenkai mit Schifferklavier, Gitarre, Minions, Helium, Kapitän Morgen, Bier, Wein, Martini, Musik, gekoppelte Boxen, Polizei und irgendwann mal ein Bett das vom herannahenden Sturm schaukelte…….ach ja, leichte Bootsschäden aber das deckt die Kaution.

Einen regelrechten Dachschaden erleidet Vossi, er schlägt sich den Kopf (hier sei klargestellt absolut nüchtern, also ohne Alkohol) am Niedergang so heftig an, dass eine Platzwunde klafft. Nele begleitet Ihn zum Arzt, dort wird er genäht (drei Stiche), weiter geht es! Ab jetzt trägt die Mannschaft solidarisch Kopftuch!

Der nächste Tag ist dem Kater geschuldet, dem Wetter (es kam wie vorhergesagt) und der Kultur gewidmet. Wie üblich sind die Stätte hier ziemlich alt und malerische, enge Gassen bilden das Stadtbild. Nele und Timo erkunden die Insel mit dem gemieteten Roller, der überwiegende Teil der Ostseestürmer flaniert durch die Stadt, zum Kloster, am Strand….wunderschön!

Dann einen weiteren netten Abend verlebt und schnell noch, durch unsere überproportional gut bestückte medizinische Abteilung, einen Nachbarmatrosen erstversorgt. Früh schlafen gegangen! Das nächste Highlight wartet, die Blaue Lagune soll am nächsten Morgen besichtigt werden.

Um 6:55 Uhr legen wir ab! Kurs Süd-West zur Blauen Lagune. Das Licht soll am Morgen am Besten sein. In der Karte steht, Ankergrund! In der Bucht ist der Grund allerdings ziemlich weit weg vom Boot, heißt: Der Anker hält nicht! Außerdem haben wir nicht mal 20m Kette. Schnell beschließen wir, zum einen die Kette durch einen langen Tampen zu verlängern, zum anderen uns in der benachbarten Bucht an eine da liegenden Boje festzumachen. Gute Idee! Erstmal Frühstücken und das Beiboot klar machen!

Kleine Materialkunde: Wenn Mann und Frau in ein Gummiboot steigen (zu dritt), und dieses nicht top voller Luft ist, und dann noch ein Außenborder dranhängt, wird ein Beiboot zur Badewanne. Schwimmt immer noch, ist aber dann voll Wasser.

Leider ist die Einfahrt in die Lagune etwas zu gefährlich, da die See vom Vortag immer noch recht hoch ist. Dann kommen wir im nächsten Jahr nochmal wieder. Dickes Kreuz in das Kroatienbuch!

Nach einer ausgiebigen Badepause geht es unter Segel weiter. Wie mit einer Jolle, ziehen wir die Lappen schon an der Boje hoch und brauchen diesmal keinen Motor! Weiter geht es in Richtung Hvar, der Wind wird stärker, die Wolken dichter.

Traumhafte Tage

Delfine schwimmen am Boot in trauter Zweisamkeit vorbei. Wir segeln durch eine Inselwelt und die Mannschaft muß kräftig an den Winschen arbeiten. Segel werden durch die Halse gewinscht, das Schiff gleitet durch wunderschöne Buchten. Dann der Schock! Am Horizont eine große Windhose, mit Kontakt zum Wasser. Das Herz rutscht uns in die Hose und wir reißen die Segel runter, zurren alles fest, starten den Motor, Gott sei Dank sind wir kurz vor Hvar, dem sicheren Hafen.

Bei der Hafeneinfahrt kommt uns der Hafenmeister mit dem Schnellboot entgegen und erklärt uns, dass der Hafen voll ist! Wir müssen in die 2 NM entfernte Marina Palmizana ausweichen! Zisch, Krawum erste Blitze und Donner sind schon zu hören. Jetzt wird es ernst!

Die Mannschaft wird erstens unter Deck geschickt und zweitens nochmals angewiesen die Finger von allem was glänzt und Metall ist zu lassen. Die Stimmung ist angespannt. Johannes und ich steuern das Schiff unter quälen der Maschine (2500 U/Min), durch die See und kommen mit dem ersten nahen Blitzeinschlag im Hafen an, machen ruck zuck fest.

Als das Boot fest ist, fängt der Regen an. Der Sturm nimmt fahrt auf, das Gewitter tönt! Glück gehabt! Sichtlich beeindruckt, legen sich die Crews früh schlafen. Morgen soll es ja wieder windig sein!

Und dann empfängt uns der Tag mit Regen. Das war so nicht abgemacht! In der Beschreibung stand Blauwasser-Schönwetter-Segeln. Aber wir sind halt Ostseestürmer und nehmen das Wetter wie es kommt. Auch wenn es Regen und ein leichter Anfall von Kälte ist.

Gesagt getan, 7:00 Uhr, 8:00 Uhr 9:00 Uhr und raus. Der Regen ist warm und langsam steigt die Stimmung. Wir heißen das Segel direkt mit Reff 2!

Das ist ja auf meinem Boot eher selten aber heute wohl absolut notwendig. Nicht weil wir zu viel Wind haben, sondern weil Dieser Böig und launisch ist. Niemand möchte von einer Böe überrascht werden.

Und dann passiert es doch, bei 43° 14,506 N und 16° 22,618 E erwischt uns ein Böenfeld, dass sich gewaschen hat. Keiner weiß wie stark die Böen nun wirklich waren. Der Regen peitschte wie kleine Nadelstiche ins Gesicht, ein Peeling für Seefahrer und zum zweiten Mal innerhalb von 24 Stunden rutschte so mancher Seebärin das Herz in die Hose und auch die Seebären waren mächtig beeindruckt.

Das ist Sie also, die gefürchtete Bora, von der wir in Vorfeld ja gelesen haben, jetzt haben wir Sie erlebt! Und das Ding ist Respekteinflößend!

Die Alternativen für die Boote sind nur Abbruch und Schutz suchen im sicheren Hafen.

Und das taten wir auch! Da die Böen aus Nord-Ost kamen, kam der nächstgelegene Hafen nicht in Frage, zu klein, zu flach und offen nach Norden. Also blieb uns nichts Anderes übrig als den in einem Trichter liegenden Hafen von Stari Grad anzulaufen.

Geschütz zu allen Seiten, empfohlen als sicherer Hafen. Ca. 1,5 Stunden später, nach einer gefühlten Ewigkeit mit heftigen Böen, Starkregen Wellenstampfen, legte die Crew, mittlerweile absolut gekonnt und ohne Ruckeln, an!

Ihr seid die Besten, da macht Euch keiner mehr was vor. nächstes Jahr segeln wir in den Hafen!

Andre´ verschlug es in andere Gefilde. Er wurde leider an zwei Häfen abgewiesen und suchte Schutz in einer sichern Bucht vor Anker!

Die Crew in Stari Grad belohnte sich mit einem leckeren Essen, in Mittelalterlicher Kulisse. Zeit für Seemannsgarn und Mythen…..

Da wir am nächsten Tag, eine gute Strecke vor uns hatten und es wieder ne Menge Wind geben sollte, gib es wieder früh ins Bett. Schnell schlafen und 7:00 Uhr, 8:00 Uhr, 9:30 Uhr war die Devise. So war es auch.

Wieder mit Reff 2 raus, alles fest gezurrt. Ein wilder Ritt, der allen beteiligten ein grinsen in das Gesicht zauberte. Halber Wind, volle Kraft voraus! Zwischendurch das Segel nochmal verkleinert, weil es immer noch zu groß war und einen wundervollen Tag mit Sonne genießen. Nebenbei gesagt: War echt viel Wind und eigentlich hätten wir streng genommen nicht wirklich rausfahren dürfen, aber es war nicht böig und es hat wirklich allen einen riesen Spaß gemacht!

Auch die schönste Reise geht einmal zu Ende

Irgendwann gegen 16:00 Uhr kam Trogir in Sicht. Wehmut und leichte Anspannung beschlichen mich, wusste ich doch, ich muss den Pott mit einer Menge Seitenwind anlegen. Aber vorher kurz noch tanken….welche ein Abenteuer!

Wild West an der Tanke. Das Hafenbecken wurde von den Hobbykapitänen nur so durchgequierlt und irgendwann konnten wir unser Schiff längsseits an die Pier bringen! Geschafft, vollgetankt und wieder abgelegt. Sauber, mit eindampfen in die Vorspring. Hat hier offensichtlich noch nie einer gesehen.

Dann mit Volldampf Rückwärts, sodaß ich die Panik in den Augen der Marineros auf dem Steg schon sehen konnte, aber mutig aufgestoppt, Leinen um die Poller, vorwärts und dann leicht abfendern zum Lee Boot. Muring drauf und fertig! So geht das!

Und dann Wehmut, und Hafenbier! Bootsabnahme und Pizza, Treueschwüre für nächstes Jahr, wieder tanzende und feiernde Bootsbesatzungen um uns rum, schlafen und Rückflug!

Was bleibt sind tolle Bilder im Kopf, viel Lachen im Boot, tolle Menschen auf beiden Schiffen und nicht zuletzt: Sonne auf der Haut und im Herzen.

Schön wars! Und wirklich unglaublich aufregend! Gerne wieder in nächsten Jahr!

Euer Skipper Rüdiger

Die Ostseestürmer sind ein Stadtlohner Team-Segelverein mit mehr als 40 Mitgliedern. Neben Segeltörns auf der Adria, dem Ijsselmeer oder der Ostsee, wird auch die Ausbildung in den amtlichen Sportbootführerscheinen, sowie Jollensegeln auf eigenen Jollen angeboten. Der Verein ist für jedermann mit Interesse am Segelsport in Gemeinschaft offen. Sieh Dir unsere Angebote, unsere aktuellen Törns und andere Veranstaltungen an oder werde bei uns Mitglied!

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